Teneriffa

Rampen und Autobahnen

Rennrad, Teneriffa,
Unter den Wolken.

Der diesjährige Sommerurlaub ging nach Teneriffa. Über familiäre Beziehungen hatten wir die Möglichkeit, ein schönes Haus in Puerto de la Cruz im Norden der Insel zu beziehen. Habe mich im Vorfeld daran gemacht, einen örtlichen Fahrradverleih herauszufinden und mir für vier Tage ein Rennrad zu reservieren. Ziel war es, einiges an Kilometern zu machen und Erfahrungen beim Bergfahren zu sammeln.

 

Sebastian von bikespirit.es hat mir ein schönes Merida gegeben und einige Touren vorgeschlagen. Ich habe das Bike am Vorabend abgeholt und freute mich dann auf den nächsten Morgen, auf die erste Tour.

 

Was ich nicht wusste: Auf Teneriffa ist es normal, direkt an großen Autostraßen mit dem Fahrrad zu fahren. Das hat mich erstmal etwas irritiert, deshalb kam es auch zu längeren Pausen an Stellen, wo ich mir klar machen musste, ob ich da als Fahrradfahrer langdurfte. So auch bei der ersten Tour – bevor ich mich auf die große TF 5 (Autopista del Norte) über den Standstreifen begeben wollte (habe ich dann ein paar Tage später doch gemacht), bin ich in lieber in einen Ort namens Tigaiga eingebogen, mein naives Ziel war es, irgendwie auf den dahinterliegenden Berg zu kommen. Hier machte ich die erste Bekanntschaft mit wirklich steilen und langen Rampen. Zu Beginn macht das ja noch Spaß … Ich kämpfte mich tapfer hoch (meist mit der 34-30er Übersetzung), habe mich dann aber am Ende in einer Sackgasse befunden. Bin dann noch etwas in dem Ort rumgekurvt. Als es dann in den kleinen Gassen zu steil bergab ging, habe ich beschlossen zu schieben. Autoverkehr, elend lange Bremswege, unübersichtliche Seitenstraßen … Bin dann den gleichen Weg wieder zurück, durch diverse Kreisel, an großen Straßen etc.

 

Den nächsten Morgen bin ich in Richtung Osten aufgebrochen, wieder die Fahrt an den gut befahrenen Autostraßen und durch Städte, diesmal über etwas längere Steigungen oberhalb der TF 5. Hat eine Weile gedauert, bis ich ruhigere Wege gefunden habe, wie so oft durch meine schlechten Navigationsfähigkeiten und spontanes Einbiegen in vermeintlich vielversprechende Wege. Nach der üblichen Bergauf-Bergab-Kurbelei landete ich in Samoga, einem recht schönen Ort mit Meerblick. Leider lag der Ort recht tief, was bedeutet, dass ich wieder gefühlte 10 Kilometer steil bergauf musste, um meinen Weg fortzusetzen. Bin dann  noch einige Kilometer auf der vorgeschlagenen Route gefahren, hatte dann aber – hitzebedingt und mit dem Wissen um den Rückweg – keine Lust mehr und bin umgekehrt. Habe mir die Bergtour gespart und bin dann ein langes Stück parallel zur Autobahn gefahren. Landschaftlich und vom Ambiente eher mangelhaft, aber es ging gut voran. Immerhin habe ich an dem Tag meine All-Time-Höchstgeschwindigkeit von 64 km/h erreicht.  Ja klar, beim Bergabfahren.

 

Tour 3 sollte möglichst weit auf den Teide führen. Bin früh aufgestanden und wie immer ging es sofort bergan, kein Meter zum Einrollen, nervig. Wieder ein Passage an einer unübersichtlichen Autobahnauffahrt mit Kreisel und keine Zeit zum Durchatmen, da hinter dem Kreisel gleich eine ca. 15%-Rampe in den Ort Orotrava führte. Hier dann durch den beginnenden Samstagmorgen-Verkehr natürlich straight uphill den Schildern Richtung Teide folgen. Nach einiger Zeit ist man über den tiefhängenden Wolken und der Verkehr wird weniger. Bin dann mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr 8 km/h da hochgeeiert, die Sonne kam immer mehr durch, der Schweiß lief …

Das erste Schild mit einer Höhenangabe sorgte dann dafür, dass ich mich entschloss, wieder runter zu fahren. Die Vorstellung, die nächsten anderthalb Stunden wie eine Schnecke den Berg hochzukriechen, machte den Entschluss leicht. Die Abfahrt ging entsprechend fix, das Bergabfahren macht Spaß, ist aber viel zu schnell vorbei.

 

Am vierten Tag wollte ich eine relativ ebene Tour in Richtung Westen machen. Dazu musste ich am Rand der TF 5 fahren. Obwohl der Verkehr am Sonntagmorgen nicht so stark ist, war es ein ungutes Gefühl, wenn Reisebusse und ähnliche große Kaliber überholen. Zudem ist es auf einer Schnellstraße auch nicht wirklich ruhig und es waren einige Tunnel zu durchqueren. Genussfahren sieht anders aus. Natürlich ist auch die Bedeutung des Wortes „eben“ hier etwas anders – auch auf dieser Strecke ging es ordentlich rauf und runter.  Bin dann irgendwann eine Art Wirtschaftsweg reingefahren, der ans Meer führte und der viel ruhiger war. Danach hatte ich keine Lust mehr, weiter zu fahren und bin auf den gleichen Weg auf der TF 5 zurückgefahren.

 

Fazit: 1. Ich bin überhaupt kein Bergfahrer. 2. Das Wegenetz auf Teneriffa ist mit dem auf Mallorca überhaupt nicht zu vergleichen. 3. Wenn ich nochmal nach Teneriffa fahre, gehe ich wandern. 4. Rampen sind doof.

 

Bin dann am Sonntag nach unserer Ankunft erst einmal 60 km am Deich gefahren. Und habe mich sogar über den Gegenwind gefreut.

 

 

Rennrad, Teneriffa
Extrem steil. Und bergab.
Rennrad, Teneriffa, Teide
Und dann mal über den Wolken.
Rennrad, Teneriffa, Teide
The point of return.
Rennrad, Teneriffa, Teide
Grün, grün, grün.
Rennrad, Teneriffa
Grün, rot, grün.
Rennrad, Teneriffa
Willkommen am Cape Fear.

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